In Deutschland erkranken etwa 4.500 Frauen jährlich an Gebärmutterhalskrebs, ca. 1.600 Frauen sterben im gleichen Zeitraum an den Folgen der Erkrankung. Gebärmutterhalskrebs ist in Deutschland die vierthäufigste gynäkologische Erkrankung.

Der Gebärmutterhals befindet sich zwischen der Scheide und dem unteren Teil der Gebärmutter. Tritt in diesem Bereich eine Krebserkrankung auf, spricht man von Gebärmutterhalskrebs bzw. von einem Zervixkarzinom. Generell wird zwischen einem örtlich begrenzten Tumor, der das angrenzende Gewebe noch nicht durchdrungen hat (in-situ-Karzinom) und einer voll entwickelten Krebsgeschwulst, von welcher sich Krebszellen lösen und Fernmetastasen bilden können (invasives Karzinom) unterschieden.

Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt beim in-situ-Karzinom 34, beim invasiven Karzinom 53 Jahre. Das in-situ-Karzinom wird als Krebsvorstufe zwei- bis dreimal häufiger diagnostiziert als das invasive Karzinom. Dies ist in erster Linie auf das deutsche Früherkennungsprogramm zurückzuführen. Vor der Einführung des Früherkennungsprogramm 1971 war Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Eierstöcke und Gebärmutter

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?

Einem Gebärmutterhalskrebs geht eine Infektion mit bestimmten, krebsauslösenden Typen des Humanen Papillomvirus (HPV) voraus. Durch sexuellen Kontakt gelangen die HP-Viren in den Gebärmutterhals, wo sie in die Zellen eindringen und zu einer anhaltenden, persistierenden Infektion führen.

Die Zellen sind dauerhaft infiziert, vermehren sich und geben die Infektion an die Tochterzellen weiter. Nach Jahren oder Jahrzehnten können einzelne Zellen durch eine fehlerhafte Weitergabe von Erbinformationen während der Zellteilung soweit genetisch verändert worden sein, dass sich Krebszellen entwickeln. Diese unterliegen keiner natürlichen Wachstumskontrolle mehr: Sie teilen und vermehren sich unkontrolliert, bis eine Geschwulst entsteht.

Das Zervixkarzinom gehört zu den „soliden“ Tumoren, da es in den frühen Erkrankungsstadien einen festen Zellverband mit deutlicher Begrenzung ausbildet. Dagegen verbreiten sich bösartige Erkrankungen des lymphatischen oder blutbildenden Systems von Beginn an im gesamten Körper. Zu Beginn verdrängen solide Tumoren das umliegende gesunde Gewebe.

Im weiteren Verlauf dringen sie aber in das angrenzende Gewebe ein und zerstören dieses. Die Zellen unterliegen keinen natürlichen Gewebegrenzen mehr und sind nun invasiv geworden. Sie können in Blut- und Lymphsystem einbrechen und über dieses in anderen Organe gelangen, wo sie sich ansiedeln und weiter vermehren können, bis Metastasen (Tochtergeschwulste) entstehen.

In den wenigsten Fällen entwickelt sich aus Veränderungen des Gebärmutterhalses ein bösartiger Tumor.

Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs

Die Zahl der Frauen, bei welchen eine Krebsvorstufe diagnostiziert wird, ist bedeutend höher als die der Frauen mit Gebärmutterhalskrebs. Viele Frauen zeigen entsprechend Veränderungen des Gebärmutterhalses auf zellulärer Ebene. Aus diesen entwickelt sich aber in den wenigsten Fällen eine bösartige Tumorerkrankung:

  • Leicht ausgeprägte Dysplasien entwickeln sich in 57 Prozent der Fälle selbstständig zurück. In 11 Prozent der Fälle entwickelt sich ein in-situ-Karzinom, eine Krebsvorstufe, die sich in 1 von 100 Fällen zu einem invasiven Karzinom entwickelt.

 

  • Mittelschwer ausgeprägte Dysplasien heilen in 43 Prozent der Fälle selbstständig aus, 22 Prozent entwickeln sich zu einem in-situ-Karzinom und 5 Prozent zu einem invasiven Karzinom.

 

  • Schwer ausgeprägte Dysplasien heilen zu etwa 30 Prozent spontan aus und entwickeln sich in bis zu 70 Prozent der Fälle zum invasiven Karzinom.

 

In frühen Stadien betragen die Heilungschancen bei Gebärmutterhalskrebs nahezu 100 Prozent, wenn die Krebszellen weniger als 3 mm ins Gewebe eingedrungen sind. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt bei einem invasiven Zervixkarzinom nur noch etwa 68 Prozent. Sind die Tumorzellen bereits in weitere Körperorgane eingedrungen, sinken die Heilungs- und Überlebenschancen deutlich.

Krebszellen entstehen vor allem durch zelluläre Erbgutveränderungen

Allgemein geht man heute davon aus, dass bei der Krebsentstehung einzelne Veränderungen des Genmaterials zu einer Instabilität der betroffenen Zelle führen. Folgen weitere Genveränderungen, die zu einem Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle führen, kann sich eine Krebszelle entwickeln, die unkontrolliert über Gewebegrenzen hinweg wächst.

Beim Gebärmutterhalskrebs ist zusätzlich das HPV beteiligt. Eine HPV-Infektion allein löst allerdings noch kein Tumorwachstum aus, sonst müssten sehr viel mehr Frauen betroffen sein. Immerhin infizieren sich etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit dem HP-Virus und bei 90 Prozent dieser Fälle heilt die Erkrankung innerhalb von 2 Jahren aus.

Von den übrigen 10 Prozent entwickeln lediglich 1 bis 3 Prozent innerhalb von 10 Jahren nach Infektion bösartige Tumorzellen. Entsprechend müssen weitere Faktoren die Wahrscheinlichkeit zur Ausbildung von Tumorzellen erhöhen. Zu diesen zählen hier in erster Linie Rauchen, weitere Infektionen im Genitalbereich, hohe Anzahl an Geburten und Schwangerschaften, die Verwendung von hormonellen Verhütungsmitteln, Immunsuppression sowie eine frühe sexuelle Aktivität.