Darmkrebs ist in den Industrieländern bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen sogar die zweithäufigste Tumorerkrankung. Am häufigsten tritt Darmkrebs zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf.

Tafel mit der Aufschrift: Darmkrebs

Was ist Darmkrebs?

Mit dem Begriff Darmkrebs wird zumeist ein bösartiger Tumor des Dick- oder Mastdarms bezeichnet. Im Dünndarm sind Tumoren eher selten zu finden. Mediziner verwenden die folgenden Fachbegriffe:

– Kolonkarzinom für Tumoren des Dickdarms
– Rektumkarzinom für Tumoren des Mastdarms
– kolorektales Karzinom als zusammenfassender Dachbegriff für Tumoren des  Dick- und Mastdarms

Darmkrebs entwickelt sich aus den Drüsenzellen der Darmschleimhaut, weshalb kolorektale Karzinome histologisch zu den sogenannten Adenokarzinomen (lat. adeno = dt. Drüse) gezählt werden. Mehr als 50 Prozent der Darmkrebserkrankungen manifestieren sich im letzten Darmabschnitt – im Mastdarm (32 %) und dem noch zum Dickdarm gehörenden Sigma (25 %).

Wie entsteht Darmkrebs?

Darmkrebs ist mittlerweile sehr gut erforscht. So ist heute bekannt, dass sich etwa 90 Prozent der Darmtumoren aus Darmpolypen entwickeln, die deshalb auch als Krebsvorstufe eingeordnet werden. Die Entwicklung vom gutartigen Polypen (Adenom) zum bösartigen Tumor (Karzinom) kann bis zu 10 Jahre dauern und wird auch als Adenom-Karzinom-Sequenz bezeichnet. Diese vollzieht sich in mehreren Schritten:

Zu Beginn beginnt sich eine Zelle der Darmschleimhaut unkontrolliert zu vermehren. Ihr Genmaterial wurde während einer ganzen Reihe von aufeinander folgender Zellteilungen schließlich soweit verändert, dass die natürliche Wachstumskontrolle der Zelle eingeschränkt ist. Es entstehen ebenso genetisch veränderte Tochterzellen, deren Wachstum ebenfalls ungebremst ist.

Die Tochterzellen fangen an, sich übereinander zu schieben, so dass sich die Darmschleimhaut in diesem Bereich verdickt. Es entsteht ein gutartiger Schleimhautpolyp – ein sogenanntes Adenom.

Die Zellen vermehren sich so stark, dass sie in den Innenraum des Darms (Darmlumen) wachsen. In diesem Stadium durchbricht der Polyp noch keine weiteren Schichten der Darmwand, er ist aber – genauso wie die Einengung des Darmlumens – bereits sehr gut bei einer Darmspiegelung zu erkennen.

Im weiteren Verlauf können einzelne Zellen des Darmpolypen weitere Genveränderungen aufzeigen, die die Wachstumskontrolle vollkommen ausschalten. Die Zellen wachsen invasiv in angrenzendes Gewebe. Die Zellen haben sich zu Krebszellen (Karzinom) entwickelt, die sämtliche Schichten der Darmwand sowie die angrenzende Muskulatur durchdringen. Lösen sich Tumorzellen aus ihrem Zellverband und gelangen über das Blut- oder Lymphsystem in andere Organe, bilden sie auch dort Tochtergeschwulste – sogenannte Metastasen – aus.

Darmkrebs wird entlang dieser Entwicklung in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Hierbei wird zum einen beurteilt, in welches benachbarte Gewebe und in welche der angrenzenden Lymphknoten die Krebszellen bereits vorgedrungen sind und ob sich zum anderen Fernmetastasen gebildet haben. Zudem wird der Malignizitätsgrad der Krebszellen bestimmt, da aggressive Krebszellen das Fortschreiten der Tumorerkrankung beschleunigen: Je stärker sich die Krebszellen durch die Genveränderungen von den Zellen der Schleimhautdrüsen unterscheiden, desto aggressiver und invasiver ist der Tumor.

Und je fortgeschrittener die Ausbreitung der Krebszellen ist, desto geringer sind die Überlebenschancen. Während die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei den ersten beiden der fünf Stadien noch 95 bzw. 85 Prozent ist, sinkt diese in den beiden letzten Stadien deutlich ab und beträgt im Endstadium unter 5 Prozent. Entsprechend bedeutend ist die Früherkennung bei einem Darmkarzinom, denn Verlauf, Lebenserwartung und Heilungschancen hängen maßgeblich vom jeweils vorliegenden Erkrankungsstadium zu Therapiebeginn ab. In frühen Stadien kann der Tumor in aller Regel gut im Rahmen einer Operation entfernt werden und die Heilungschancen werden als hervorragend bis sehr gut eingestuft.

Darstellung des Magen-Darm-Trakts

Erhöhtes Risiko ab dem 50. Lebensjahr

Das Darmkrebsrisiko erhöht sich mit zunehmendem Alter – einfach auch dadurch, dass mit diesem Alter eher eine kritische Zahl an Genveränderungen erreicht werden kann, die zu einer eingeschränkten Wachstumskontrolle der Darmzellen führen. Darüber hinaus wird die Zellteilung mit zunehmenden Alter störungsanfälliger, so dass Mutationen häufiger auftreten. Aber auch jüngere Menschen können an Darmkrebs erkranken, wenn ein familiäres Risiko oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa besteht. Bei etwa 30 Prozent der Fälle ist die Tumorerkrankung auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. Menschen mit erhöhtem Risiko werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen, um eine Darmkrebserkrankung sowie deren Vorstufen frühzeitig erkennen zu können.